Monika Geier
Wie könnt ihr schlafen
Ariadne Krimi 1110
ISBN 978-3-88619-840-5
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(jederzeit widerrufbar)

Ländliche Abgründe: Crimetime in Kreimheim

Von wegen Urlaub. Kommissarin Bettina Boll wird von ihrem Vorgesetzten per Erpressung zum Dienst abgerufen und in die Wildnis geschickt: Aus einem Nest namens Kreimheim wurde der Fund einer Kinderleiche gemeldet. Als Verstärkung für ihren ersten eigenen Fall gibt man ihr den »kleinen« Willenbacher mit, einen farblosen Chauvi. Und dann informiert man sie in letzter Sekunde, dass die aufgetauchte Neugeborenenleiche seit etwa 25 Jahren tot ist. Viel Glück beim Ermitteln, Frau Boll!

Kreimheim jedoch wartet nicht nur mit allerlei skurrilen Persönlichkeiten und einem anbetungswürdig netten Bürgermeister auf, sondern bietet der Kommissarin als Dreingabe eine Vermisstenmeldung sowie einen waschechten Mordanschlag ...

Wie könnt ihr schlafen ist ein moderner, elegant-hintergründiger »Landhauskrimi« aus der Pfalz: Lebendig-originelle Charaktere, bedrohlich-subtile Untertöne, ein klug gefädelter Plot, der mit modernen Figuren geschickt an Agatha Christies Detektivroman-Tradition anknüpft – gewürzt mit bitterböser Sozialspannung, scharfem Witz und psychologischer Raffinesse.



Leseprobe

Draußen regnete es nicht mehr, doch der Himmel war tief verhangen und diesig; von der Linde vor dem Haus tropfte es.
Bettina klappte ihren Kragen hoch und schritt langsam zum Marktplatz. Das Morgenlicht erschien noch grau; die großen Peitschenleuchten brachten die ineinander gebauten feuchten Häuser zum Glänzen. Einige Fensterläden standen bereits offen, obwohl es Samstag war, und hinter den Fenstern schimmerten Glanzpapiereier und -hasen. Wenn man die Dorfstraßen entlangging, konnte man kaum glauben, dass die Bewohner größere Probleme hatten als die Füllung des Osterbratens.
Ohne auf ihren Weg zu achten, wählte Bettina eine schmale Seitenstraße und war nicht überrascht, sich am Friedhof wiederzufinden. Diesmal hatte sie den neueren Teil vor sich.
Beschnittene Buchsbaumhecken grenzten einzelne Abteilungen ab, und der Hauptweg war frisch mit Kies bestreut und mit jungen Linden bepflanzt worden. Weiter vorne werkelte eine alte Frau an einem tadellos gepflegten Grab.
Um aufdringlichen Fragen zu entgehen, setzte Bettina ein grüblerisches Gesicht auf. Sie hatte vor, rasch an der alten Dame und dem Grab vorbeizukommen, doch dann bemerkte sie die Inschrift, die in den rötlichen Stein eingemeißelt war:

Margarete Holler
Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben
weil sie so viel Liebe gezeigt hat.
Lukas 7,47

Die Zahlen darüber sagten, dass das Mädchen nur sechzehn Jahre alt geworden war. Bettina blieb stehen und vergaß, was sie eben noch über die Neugier gedacht hatte. "Wie viele Sünden kann man denn mit sechzehn begangen haben?", fragte sie den Rücken der Frau.
Diese sah auf und nickte zum Gruß. Ihr von feinen Fältchen durchzogenes Gesicht wurde von intensiv veilchenblauen Augen beherrscht. "Eine Menge, Fräuleinchen." Sie musterte Bettina mit freundlichem Interesse. "Sie sind doch das Fräulein von der Polizei?"
Bettina stimmte zu und wies auf das Grab. "War das Ihre Tochter?"
"Sicher, Fräuleinchen."
"Was ist mit ihr passiert?"
Die Frau schenkte Bettina ein herzerwärmendes Lächeln. "Sie war eine Hure, Fräuleinchen. Und ihr Vater ein Witzbold. Hatte immer was übrig für einen guten Scherz, sogar am Grab seiner Tochter."
Ein Gefühl der Unwirklichkeit überkam Bettina. Vermutlich hatte sie sich verhört. Die alte Dame machte ein liebenswürdig-verschwörerisches Gesicht, als habe sie soeben das Rezept für besonders gute Anisplätzchen verraten.
"Ja, das ist Ihnen unangenehm, was Fräuleinchen? Ja, so sind die Menschen." Die alte Dame wandte sich wieder dem Grab zu. "Keine Angst, ihr Vater hat gekriegt, was er verdient hat, da drüben liegt er, Gott sei seiner armen Seele gnädig." Sie wies auf ein Grab mit einem schwarzen Granitblock und jätete weiter, als habe sie Bettina nie gesehen.
"War Margarete krank?", fragte diese dennoch weiter.
"Gretchen. Hat sich in ihrem Kleiderschrank erhängt." Die Alte nickte vor sich hin, nicht unfroh. "Das ist die Welt, Fräuleinchen."
Der schwarze Granit glänzte kalt und zog Bettina wider Willen an. Das dazugehörige Grab war sorgsam gepflegt und eingefasst und mit dem der Tochter bis auf den Stein identisch.

Du sollst ein Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen.
Deuteronomium 14, 21b
Valentin Holler

Ungläubig starrte Bettina die Inschrift an.
Die Frau hinter ihr begann zu lachen. "Für ihn konnte ich die Inschrift aussuchen." Geduldig und gleichmäßig zupfte sie kaum sichtbare Unkräuter aus der schwarzen Ziererde. "Ich meine, die Grabinschrift sollte das Leben eines Menschen charakterisieren. Und das alte Testament hat so viel Wahres, nicht? -- Naja, als er noch lebte, wollte er nicht auf mich hören." Mit der Schulter deutete sie auf den dunklen Granitblock, der das Grab ihres verstorbenen Gatten beschwerte. "Die Leute hier halten mich für verrückt, aber die wollten noch niemals sehen, was sich direkt vor ihren Augen abspielt. Was klar und offensichtlich ist, will keiner sehen." Ihre veilchenblauer Blick streifte abschließend Bettinas Gesicht.

Bettina floh.


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Autorin/Bibliografie

Monika Geier, geboren 1970, lebt in Kaiserslautern, wo sie die Sitten und Gewohnheiten der pfälzischen Stadt- und Landbevölkerung literarisch aufbereitet. Für Wie könnt ihr schlafen erhielt sie den renommierten deutschen Krimipreis Marlowe.

Für ihr Debüt erhielt Monika Geier begeisterte Kritiken von Presse und Leserschaft. Wie könnt ihr schlafen (Ariadne 1110) liegt bereits in der 5. Auflage vor.

Der zweite elegant-hintergründige Bettina-Boll-Thriller Neapel sehen liegt als Ariadne Krimi 1136 vor.

»Monika Geier hat ein tolles Debüt hingelegt. Hoffentlich kommt bald Nachschub!«
Brigitte Young Miss

»So spannend erdacht ist der Plot, so sicher gezeichnet sind die Figuren - eine veritable Entdeckung.« Rheinpfalz

Mehr über Monika Geier unter www.geiers-mor.de

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